Evangelische Kirchengemeinden Katzenfurt und Daubhausen

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Gottesdienst zum Nach-Hören

14.02.2021

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.


Hier finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes in der Kirche als Gottesdienst zum Nach-Hören und Nach-Lesen. Die Text-Datei können Sie herunterladen, ausdrucken und weitergeben. Vielleicht gibt es jemanden in Ihrer Nachbarschaft, die oder der gerne diesen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde lesen würde, aber keinen Zugang zum Internet hat. Geben Sie den "Gottesdienst zum Nachlesen" an andere weiter.


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Gottesdienst am 14.02.2021

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

Orgelvorspiel (von Jan-Paul Götze)

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 31

Sei mir ein starker Fels, Gott,

und eine schützende Burg.

Ich vertraue dir,

lass mich nicht erniedrigt werden vor den Menschen.

Errette mich und hilf mir heraus aus der Enge.

Neige dein Ohr zu mir

und höre auf mein Gebet.

Du bist für mich wie ein Fels,

auf dem ich sicher stehe,

wie eine Burg, in der ich geborgen bin.

Ziehe meinen Fuß aus dem Netz,

in dem ich mich verfangen habe.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

du hast mich erlöst, du treuer Gott.

Darum freue ich mich und bin fröhlich.

Du lässt mich nicht in die Hände der Feinde geraten

oder meinen Fuß sich in dem Netz verfangen,

das sie mir heimlich stellten.

Du führst mich aus der Enge

und stellst meine Füße auf weiten Raum.

Du bewahrst mich vor innerer und äußerer Enge.

Sei mir ein starker Fels, Gott,

und eine schützende Burg.

Lied: EG 445, 1.4.5 Gott des Himmels und der Erden (von Jan-Paul Götze)

Predigt (von Pfr. Ulrich Ries)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Haben Sie noch den Psalm von eben im Ohr, meine Lieben? Du führst mich aus der Enge und stellst meine Füße auf weiten Raum. Das war der Spitzensatz des Psalms. Schön wär´s ja – würde man da am liebsten sagen. Von wegen weiter Raum. Eingesperrt fühle ich mich doch nach einem viertel Jahr Lockdown, dem zweiten in den letzten 12 Monaten. Und auch dazwischen war von weitem Raum nicht viel zu spüren. Wir fühlen uns eher eingeengt, und das nicht nur jetzt, sondern auch schon im normalen Leben. Eingeengt von Aufgaben und Arbeit, vom Chef oder von Lehrern, von Aufgaben und Leistungsanforderungen, von den Ansprüchen anderer, oder auch von körperlichen und seelischen Einschränkungen. Das kann einem dann schon die letzten Kräfte rauben. Das fühlt sich so ähnlich an wie die Erfahrungen. die der Beter von Ps 31 gemacht hat. Auch der fühlt sich nämlich bedrängt, eingeengt, getrieben – allerdings von Feinden. Das ist ja zum Glück bei uns eher selten der Fall.

Doch wenn dann eine neue Wegstrecke beginnt, oder einfach auch nur Urlaub, dann können wir auch die andere Erfahrung des Psalmbeters nachempfinden, Dann könnten eigentlich auch wir wie er zu Gott sagen: Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Denn dann liegt die nächste Zeit vor uns wie ein freies Feld. Ferien, endlich, sechs Wochen lang. Oder: Endlich ist der Garten in Schuss. Jetzt kann ich mich endlich auch mal reinsetzen und genießen. Oder: Jetzt haben wir das Haus endlich von oben bis unten renoviert. Das hält wieder für ein paar Jahre. Oder: Endlich ist dieser Auftrag abgeschlossen. Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Das Gefühl von Weite öffnet uns ja Herzen und Sinne, vermittelt einem den Eindruck von Freiheit.

Doch jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie müssten mehrere Tage lang eine Wüste durchqueren, vielleicht sogar wie zu Zeiten des Psalmbeters zu Fuß, dann bekommt Weite auf einmal bedrohliche Ausmaße, lebensbedrohliche! Also: Weite, gut und schön, aber bitte doch alles in Maßen, denn Weite ist nicht gleichbedeutend mit Grenzenlosigkeit. Im Gegenteil! Grenzenlosigkeit, Unendlichkeit erzeugt das Gefühl von Verlorenheit – und ist deshalb bedrohlich. Denn wohin soll ich mich wenden in einer Wüste? Wenn alles gleich aussieht. Wenn es keinen Hinweis auf einen Weg gibt. Wenn der nächste Ort unendlich weit entfernt ist und ich gar nicht weiß, in welcher Richtung. Was nützt mir das? Ich bin zwar frei, frei von allen Zwängen, aber gleichzeitig bin ich gefangen in dieser Freiheit, weil sie mir keine Möglichkeit bietet, darin sinnvoll zu leben. Darum sagt der Psalmbeter auch nicht: Du stellst meine Füße in endlose Leere. Was sollte er in dieser Leere auch anfangen? Er wäre ja wieder gefangen, diesmal in der Unendlichkeit z.B. einer Wüste.

Anders in einem zwar weiten, aber begrenzten Raum, der dem Blick Anhaltspunkte bietet, zumindest am Horizont, der manche Wege unmöglich macht, weil sie zum Beispiel zu steil sind. Das schränkt die Möglichkeiten ein, öffnet aber gleichzeitig Wege – und damit Orientierung. Ich glaube, das ist es, was wir Menschen brauchen, Weite. Nicht Grenzenlosigkeit.

Das können wir auch auf unsere Lebenswelten übertragen. Die Grenzenlosigkeit der Globalisierung z.B. lähmt und bedroht uns. Die Vielfalt einer offenen Gesellschaft aber, in der den Menschen ganz viele, unterschiedliche Lebensentwürfe vorgelebt werden, inspiriert und schafft Möglichkeit, das ein oder andere nachzuahmen oder Neues zu entwickeln. Genauso in der Erziehung. Auch Kinder brauchen Grenzen. Setzt man sie in einen großen Raum und lässt sie tun, was sie wollen, wird ihnen bald langweilig, weil niemand ihnen vormacht, was gut ist und was nicht, was Spaß macht und was nicht, was erlaubt ist und was nicht. So ein Lebensraum produziert Orientierungslosigkeit. Was wir brauchen, sind Grenzen. Sie bilden einen Rahmen um unser Leben, innerhalb dessen sich uns Lebensmöglichkeiten auftun.

Doch das Bild der räumlichen Weite macht noch etwas anderes deutlich. In der Weite eines Raums mit vielen Lebensmöglichkeiten fehlt doch immer noch etwas: Gemeinschaft. Ohne andere Menschen sind wir verloren, da nützt auch die schönste Freiheit nichts. Wir Menschen sind daraufhin geschaffen, unser Leben mit anderen zu teilen. Und ich vermute mal ganz stark, meine Lieben: das ist es, was uns zurzeit wirklich fehlt, Kontakt. Das entgangene Shoppingerlebnis ist doch nur Ersatz. Und wirklich eingesperrt sind wir doch auch nicht. Wir können doch überall hin, nur eben allein. Das ist es, was die gegenwärtige Lage so schwer macht. Uns fehlt die Gemeinschaft, obwohl wir uns doch gerade von der sonst so oft eingeengt fühlen.

Doch genauso ist unser Leben. Wir sind nicht vollkommen frei. Wir leben in einem Rahmen, der uns von Gott vorgegeben ist. Aber innerhalb dieses Rahmens, können und müssen wir selbst verantwortlich entscheiden, wohin es mit uns gehen soll und mit wem. Dies zu bedenken ist wichtig, damit wir uns nicht an den Grenzen unnötig den Kopf einrennen.

Diese mangelnde Gemeinschaft scheint dem Psalmbeter gar nicht aufzufallen. Jedenfalls erwähnt er sie nicht. Vielleicht liegt das ja daran, dass er einen Gesprächspartner hat, der uns modernen Menschen weitgehend verloren gegangen ist. Der Beter von Ps 31 spricht mit Gott. Mit ihm lebt er in einer lebendigen Gemeinschaft. So eine Gemeinschaft könnte auch uns guttun.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Das ist nicht in jedem Augenblick unseres Lebens der Fall. Auch der Psalmbeter sieht das ja so, nachdem er Enge und Einschränkung durchstanden hat. Insofern ist das auch eine Verheißung für die Zeit danach. Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Du, Gott, schenkst unserem Leben große Weite, in der wir uns frei bewegen können. Das beinhaltet dann aber auch, dass wir lernen müssen, uns in diesem Raum zu bewegen, ihn mit anderen zu teilen und ihnen ihren Raum nicht zu beschneiden.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Das heißt vor allem: Es gibt keinen Raum, den wir nicht von Gott zum Leben bekommen hätten. Und auch die Zukunft ist ein Raum, der von ihm kommt. Er schenkt uns unsere Lebensmöglichkeiten. Nutzen wir sie.

Amen.

Lied: EG 329, 1-3 Bis hierher hat uns Gott gebracht (von Jan-Paul Götz)

 

Fürbitten

Guter Gott,

Du stellst unsere Füße auf weiten Raum.

Du schenkst unserem Leben Weite.

Du bietest uns aber auch Begleitung an – und Orientierung.

Für all das danken wir dir.

Wir bitten dich:

Erleuchte die Herzen und Sinne aller Menschen, die meinen,

in einer ausweglosen Situation zu stehen.

Schenke deine Klarheit all denen,

die vor einer wichtigen Entscheidung stehen.

Erwärme die Herzen der Menschen, die meinen,

nicht mehr glauben und nicht mehr lieben zu können.

Leuchte mit deiner Wahrheit,

wo Irrtum herrscht und wo Menschen sich vor einander verschlossen haben.

Lass deine Liebe auf uns ausstrahlen,

damit wir sie spüren und weitergeben können.

Mach uns Mut und gib uns Kraft für die nächsten Schritte.

Hilf uns, unsere Mitmenschen nicht zu vergessen,

damit niemand verloren geht.

Amen.

Segen

So begleite uns Gott mit seinem Segen in die vor uns liegende Zeit.

Wo wir uns nicht mehr gegenseitig anschauen können,

möge er uns gnädig ansehen.

Wo uns die eigenen Worte im Hals stecken bleiben

oder wo sie ungehört verhallen,

möge er uns mit seinem Wort Mut machen und Trost schenken.

Wo wir auf Distanz bleiben, freiwillig oder unfreiwillig,

möge er uns nahekommen und uns in seinen Händen bergen.

Amen.

Orgelnachspiel (von Jan-Paul Götze)